Reisebericht Barkhausen

Viel Rauch um alles Templer treffen Templer. Zum fröhlichen (Entschuldigung, demütigen) Beisammensein, um für den Kampf zu trainieren und einen Rekord aufzustellen.

Zunächst einmal galt es, das Gelände im Wiehengebirge zu finden und ohne Schaden am Gefährt zu erreichen. Was nicht allen gelang, wie Bruder Konrad kläglich zu berichten weiß… Doch am Abend waren die Zelte aufgebaut, zum allseitigen Erstaunen ohne Wasserschäden, die Autos geparkt, das moderne Zeitalter verlassen und der waldige Platz als wunderbar erkannt.

Einige Gäste stießen noch hinzu, darunter der im ganzen Templerlande auch als rheinische Frau Antje bekannte und sehnsüchtig erwartete Marcel. Dieser machte nicht nur nette Fotos, sondern legte des nachts auch gerne mal einige Dezibel an Schnarchgeräuschen über das Lager, so dass er am nächsten Tag außerdem als „der vom Sägewerk“ bekannt war. Ein Graus für all jene, die nichts fanden, um es sich schnell noch in die Ohren zu stopfen.

Doch vor der Nacht kam der Abend und pünktlich mit der Dämmerung und feuchter Kälte ging es los mit der Demut. Es dauerte nicht lange, bis zwischen den Komthureyen Gütersloh, Braunschweig und Mark nicht nur gemeinsame Frömmigkeit, sondern auch lustvoller sinnlicher Genuss ausbrach. Das wunderbar zubereitete Essen machte da einen willkommenen Anfang. Es endete mit Met, Wein, aus fernen Welten herangeschafftem Selbstgebranntem und diversen fruchtigen Geschmäckern in Rauchform. Welche jedoch nicht allen gleich gut bekamen, wie sich am nächsten Tag herausstellte. Bruder Ash zum Beispiel zeigte nicht mal ein Zucken beim fröhlichen Wecken um acht Uhr morgens, nur ein dunkles, verrauchtes Grummeln ward zu hören.

Während seine treuen Brüder trainierten, sich im Schlamm wälzten, und die ersten kleineren Macken und Verwundungen zu verzeichnen hatten, quälte jedoch auch er sich aus dem Zelt. Schwankend, schweigend und beunruhigend bleich gesellte er sich schließlich doch zum Kampfe. Böse Zungen munkelten, er habe für seine Truppe eher eine Gefahr, als eine Bereicherung dargestellt. Er munkelte „Nie wieder Shisha…“ und viel kurz darauf noch einmal für eine kurze Weile in einen tiefen Schlaf. „Open Order“, „Schildwall“ und „Closed Order“ forderten keine weiteren Opfer, dank Bruder Rafim und Bruder Heinrich, die das Training mit vollem Körpereinsatz durchführten.

Zuletzt sah es sogar richtig nach durchdachten Kampfhandlungen aus, zumindest bis Bruder Heinrich sich unfreiwillig auf einem Scheiterhaufen wiederfand, auf den er nach Verfolgung durch zwei Brüder rücklinks gestolpert war. Brüderlich schwitzend wurde das offizielle Training beendet. Nur Bruder Ash musste, noch immer ein wenig fad, noch einmal ran.

Kleinere Gruppen fanden sich zwischendurch immer wieder, um sich abseits der Ritterzelte kämpferisch zu zeigen – nicht immer mit fairen Mitteln und gerne auch mal schön hinterhältig, wie erneut Bruder Heinrich erfahren musste, der plötzlich mit Gambeson halb über dem Kopf gezogen nichts mehr sah, taumelte und sogleich von Bruder Daniel niedergestreckt wurde. Ansonsten schlug er sich aber ganz gut, der Bruder Heinrich, sollte ich vielleicht noch erwähnen, bevor ich eins drüber kriege. Wink Bruder Vitus streckte es dafür ziemlich nieder.

Der Teufel höchst persönlich muss ihm eine Falle gestellt haben, denn niemand – nichtmals er selber – weiß, wie es passieren konnte. (Wobei er sich später für die Version entschied, dass ihn eine Überzahl Heiden hinterrücks angegriffen hat, die er heldenhaft zurück- und sogar niederschlug! Als der letzte von ihnen im finalen Atemzug niederfiel, krachte er mit seinem Schwert auf Bruder Vitus Fuß und fügte ihm so die einzige Wunde in diesem Kampfe zu.) Ich muss ihm dann wohl DIREKT danach begegnet sein (also nachdem er die Leichen der Schar Heiden schon humpelnd weggeschafft hatte), denn ich kann nur folgendes bezeugen: Als er sich gerade ärgerte, sich den Schuh aufgerissen zu haben, lugte unter der gerissenen Naht blankes, rotes Fleisch hervor. "Ich bin wohl irgendwo hängen geblieben" waren seine Worte. Dass das 20 Heiden waren, wer hätte das ahnen können! So hatten wir schnell den zweiten bleichen Templer im Lager. In Birtes sorgenvoller Begleitung kutschierte man Bruder Vitus zum nächsten Medicus, dieser legte Nadel und Faden an, verhinderte so den allseits gefürchteten Wundbrand und rettete Bruder Vitus das Leben. Neben dem Leben schenkten die Brüder ihm später einen neuen Namen: "Käpt'n Flamingo".

Gestärkt durch Wasser, Zucker- und Fruchtgetränke lockerte sich die Stimmung und die gerade hinzugestoßene Susanne tischte frischen Krautsalat und selbst gebackene Brötchen auf, sehr zum Gefallen einiger hungriger Templerbrüder. Derer wurden anschließend dreie feierlich neu in den Orden aufgenommen. Bruder Konrad, Bruder Vitus und Bruder Andreas schworen dem Orden im Fackelschein ewige Treue und Gefolgschaft. Wobei ein leises Kichern durch die Weiberfront ging, als Komthur Martin den von einer Krücke gestützten Bruder Vitus fragte, ob er irgendwelche Gebrechen habe und ihn aufforderte „vorzutreten“. Der Tag klang aus an der längsten je gesehenden Templertafel mit geschätzten 25-30 Rittersleuten und deren Gefolge.

Ich habe als Weib leider nie die Kunst der Zahlen erlernt, deshalb möge man mir die Ungenauigkeit verzeihen. Außerdem ist mein Verstand noch immer vernebelt vom Lagerfeuer, welches vielen von uns an diesem Wochende nicht nur kurzzeitig Augenlicht, sondern wohl auch ein wenig Grips kostete. Mit seit Stunden immer leckerer brutzelnden Brathähnchen, die von den Weibern liebevoll über dem Feuer geröstet wurden, Bratwürsten, Bauchspeck, Koteletts, Salat, Brot und für einige die lecker zubereiteten Innereien der Gockel schlug man sich ordentlich die Bäuche voll.

Der Dank für letzteres geht an den Gütersloher Komthur Michel le Bouc, das hat wirklich gemundet! Auch, wenn nicht von allen gleichermaßen geschätzt und besonders Bruder Ansgar ein wenig zu kämpfen hatte. „Was hat das Huhn gegessen? Mann, ist das hart! Ich krieg den Pinn nicht durch!“ „Das ist der Hals“, kam als trockene Antwort, gefolgt von einem erschrockenden Aufschrei Ansgars. „Ganz schön glibbelig, aber schmeckt gut“, lautete sein Fazit. Einen Templer haut so schnell nichts um. Natürlich folgten erneut die Genüsse des Rauches, denen besonders Birte und Mariella hoffnungslos verfallen waren. Wären wir nicht so eine zusammengeschweißte Gemeinschaft, hätte es sicherlich Kämpfe gegeben um den Shishaschlauch. Aber man züchtigte sich demütig und teilte brüder- und schwesterlich. Nur Ash verzichtete auch noch zu später Abendstunde höchst gerne. Dafür beglückte er die gesamte Truppe mit Gitarrenklängen und höchst anmutendem Gesang, der ihm noch mehr musikbegeistertes Gefolge einbrachte, als er eh schon hat. Eine wahrlich beachtliche Leistung nach diesem seinem Höllentag.



Die letzte Nacht verlief bis auf das ewige, unglaubliche Sägen friedlich und entgegen der ersten ohne Regengüsse. Bei einem ausführlichen Frühstück mit Rühreiern und Speck klang das Lager aus. Es bleibt wohl für immer ein Rätsel, warum 30 Eier nicht für 20 Leute reichen. Woran Bruder Vitus sich den Fuß aufschnitzte.

Ob Frau Antje wirklich des nachts im Sägewerk arbeitet. Ob Lagerfeuer langfristige gesundheitliche Folgen hat. Ob Hühnerhals gesund ist und ob Shishas Jungfrauen süchtig und ältere Herren krank machen oder nicht.

Aber es werden sicherlich noch weitere ritterliche Lager folgen, auf denen diesen Fragen nachgegangen werden kann…

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