Reisebericht Rittergut Veltheim

Es war eines der besten Lager, an denen ich teilgenommen habe. Irgendwie passte so ziemlich alles: Der Veranstalter kümmerte sich vorbildlich um uns, es gab vernünftige Toiletten und sogar eine Duschmöglichkeit, die “Touris” und Gäste waren höchst interessiert und stellten viele Fragen, die anderen Gruppen, Aussteller und Künstler waren super nett, lustig und gesellig, der Veranstalter war sehr zufrieden mit uns, das Wetter spielte gut mit, unsere neue Schaukampf-Show wurde sehr gut angenommen, die Bogenbahn hatte unzählige kleine und große Fans, der Gruppenzusammenhalt war nahezu perfekt, wir bekamen großes Lob anderer Gruppen und Veranstalter, unser Lager sah vorbildlich aus wie selten und das Essen war lecker. Und nicht zuletzt fand diese Veranstaltung in einer wunderschönen Kulisse, einer Burg aus der Zeit, die wir als Gruppe darstellen (1230), statt und somit passte sie zu uns wie Faust auf Auge.


All das positive Feedback, dass wir von den Touris, dem Veranstalter und anderen Gruppen bekommen haben, tut so richtig gut. So ein authentisches Lager ist schließlich auch mit einer Menge Arbeit und Herzblut verbunden, kostet vor allem privates Geld, bedeutet eine Wahnsinns-Schlepperei und logistischen Aufwand. Alleine unser Wachturm wiegt etliche hundert Kilo (geschätzt 900). Dazu kommt ein riesiges Sonnensegel, das einer alleine kaum tragen kann, 5-10 kleine Mittelalter-Zelte, zwei große Zelte, ein Küchenzelt, eine Feuerstelle, Stühle, Tische und Bänke und natürlich all die Waffen, Truhen und Kettenhemden (à 15-20 Kilo), Helme und sonstige Ausrüstungsgegenstände, die die Tempelritter so mit sich rumschleppten. Trotz der Anstrengung und Schlepperei bis nachts um 2 Uhr (mann, war ich erschlagen am Montag!) hat sich der Aufwand jedoch gelohnt.


Man kann wohl sagen, dass wir selten einem so interessierten Publikum begegnet sind - und das, obwohl es sich dieses Mal um einen sehr gemischten Kunst- und Kulturmarkt handelte, nicht um ein reines Mittelalter-Lager. Ich persönlich mochte am liebsten die leuchtenden Augen der Kleinen und Kleinsten, wenn sie die ihnen viel zu großen Helme und Handschuhe anzogen und stolz wie Oskar Mama und Papa oder Oma und Opa zeigten, während sie vor lauter Gewicht fast das Gleichgewicht verloren. Aber auch die älteren Gäste zeigten sich interessiert und offen, fragten, was in den Töpfen kocht (und wollten es nicht selten selber essen), blickten erstaunt in die Zelte (”Aber da schlafen Sie doch nicht wirklich drin, oder?”), sahen zu, wie die Knappen Waffen polierten und interessierten sich für das Leben in einem Heerlager. Besonders gut kam unsere neue Schaukampf-Show an. Zunächst führten wir vor, was ein Ritter alles anzuziehen hatte - von der Unterhose bis zum Schild - und machten so erst richtig nachvollziehbar, wie anstrengend so ein Kampf ist, wie sich die Waffen entwickelt haben und warum ein Tempelritter aussieht wie er aussieht. Mir schien, dass dies besonders die Erwachsenen, speziell die Väter und Opas interessierte, denen das ein oder andere Licht aufzugehen schien. Danach kam dann das, worauf vor allem die Kinder gewartet hatten: Nachdem sie Schwerter, Äxte, Kettenhemden und Helme anfassen durften, führten wir kleine Kämpfe durch und sorgten so auch hier mindestens für glänzende Kinderaugen.


Abends, nachdem Touris und Gäste das Gelände verlassen hatten, vermischten sich die Gruppen, feierten, zündelten, lachten und tranken was das Zeug hält und ich bin sicher, dass so mal wieder neue Bande zu anderen Gruppen geschlossen wurden. Wir haben eine Menge Wissen unter die Leute gebracht, so wie es die Aufgabe unseres Vereins ist, und selber viel gelernt - über die Steinzeit, über verschiedene Handwerke und nicht zuletzt darüber, dass es besonders gut organisierte Veranstaltungen, zuvorkommende Veranstalter und hoch interessierte Besucher gibt.


Jungs und Mädels, es hat mal wieder richtig Spaß gemacht mit euch und ich freue mich aufs nächste Mal, hoffentlich mit weniger Verletzten! :D Und trotzdem bin ich nach den vier Tagen froh, die Holzschuhe los zu sein, in einem richtigen Bett zu schlafen, jeden Tag zu duschen und vor allem, mich auf Stühle und Sofas mit Rückenlehne setzen zu können.



Sophia aka Sonja.

Zurück zur Übersicht